In diesem Kapitel werden die leistungsfähigsten Verfahren zur dynamischen
System-Analyse vorgestellt und auf elektrische Vierpole angewendet.
Was Sie im Kapitel 3 lernen:
- Testsignale: Rechteck-Dreieck-Sinus
- Differenzierung und Integration
- Komplexe Rechnung
- Der normalisierte Frequenzgang und das dB (dezi-Bel)
- Verzögerung und Tiefpass, Vorhalt und Hochpass
- Resonanz-Frequenz und Dämpfung
- Das Bode-Diagramm: Amplitudengang, Phasengang
- Elektrische Systeme 1.Ordnung, 2.Ordnung und höherer Ordnung
- Filter aus Kondensator, Induktivität und Widerstand
- Tiefpass-Hochpass-Bandpass 2.Ordnung
- Frequenzgang und Sprungantwort
- Dämpfung und Überschwingen
- Kriechfall, Schwingfall und optimale Dynamik
- Elektrische Zeitkonstanten
Warum Sie Kapitel 3 lesen sollten:
- Die dynamische System-Analyse besteht aus der Struktur, der komplexen Berechnung und der Darstellung der Frequenzgänge im Bode-Diagramm. Die hier beschriebene Methode erklärt, warum etwas so ist. Sie ergänzt die Praxis und auch die Simulation, die nur zeigen wie etwas ist.
- Dynamische Analysen zeigen die Zusammenhänge zwischen den Bauelementen eines Systems und den System-Eigenschaften (Resonanz-Frequenz, Dämpfung). Damit bilden sie die Grundlage zur Dimensionierung der Bauelemente entsprechend den geforderten System-Eigenschaften.
- Dynamische Analysen ergänzen die Simulationen. Beide zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild des Gesamt-Systems. Sie ermöglichen die Dimensionierung seiner Komponenten gemäß den gewünschten Eigenschaften. Weil das hier verwendete Analyse-Verfahren (Struktur, komplexer Frequenzgang und Bode-Diagramm) sowohl einfach als auch leistungsfähig ist, wird es in den folgenden Kapiteln immer wieder angewendet.
Beispiel Hochspannungs-Tastkopf für Oszilloscop

Kurzbeschreibung
Der Spannungs-Messbereich eines Oszilloscops soll durch einen Vorwiderstand R.1 verzehnfacht werden. Dazu muss R.1 9-mal größer als der Eingangs-Widerstand R.e des Oszilloscops sein.
R.1//R.e erzeugen zusammen mit der Eingangs-Kapazität C.e des Oszilloscops einen Tiefpass, der die Grenzfrequenz des Systems gegenüber der des Oszilloscops (f.O) herabsetzt. Das kann ein angepaßter Eingangs-Kondensator C.1 verhindern.
Wie die Struktur zeigt, erzeugt C.1 einen Hochpass, der die Wirkung der unvermeidlichen Eingangs-Kapazität C.e kompensiert. Die Berechnug zeigt die Kompensations-Bedingung: C.e*R.e=C.1*R.1.
Struktur

Diagramm

Amplitudengang eines über-kompensierten Tastkopfs